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| Fachwerk in Wiedenbrück | |||
| Heute würde man sie vielleicht als Comics bezeichnen, die Bebilderungen an den Häusern. Illustrationen von Bibelversen mit Darstellungen von Menschen, Tieren und Fabelwesen warnen vor Lastern und Sünden. Auf Aberglaube deutet der Drudenfuß hin. Dieses Fünfeck sollte im Mittelalter Hexen und böse Geister abwehren. |
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Bilder, Inschriften, Symbole und Sprichwörter
Mehr über Bilder, Inschriften, Symbole und Sprichwörter erfahren Sie in spannenden Stadtführungen. Wiedenbrück ist eine alte Stadt, bereits 952 wurden ihr die Stadtrechte verliehen. Die erste Kirche, St. Aegidius, wurde 785 gegründet. Der Kirchenbau, der heute zu besichtigen ist, wurde 1505 errichtet. Erhalten geblieben ist allerdings das Querschiff von 1260. Sehenswert ist auch die Marienkirche von 1470. Ein auffälliger Bogen verbindet das Gotteshaus über die Straße hinweg mit dem Franziskanerkloster (1667). |
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Die Wiedenbrücker Altstadt
Fachwerkbauten, die großen Zeugnisse europäischer Baukunst, beherrschen die Innenstadt Wiedenbrücks. Fachwerkbauten sind nicht so atemberaubend wie Dome und Kathedralen, wie Schlösser und Burgen, sie sind aber eine hervorragende Verbindung von funktionsgerechtem Bauen nach menschlicher Maßstäblichkeit und dem Wunsch des Erbauers nach Repräsentation.
Fachwerkhäuser sind in Wiedenbrück keine musealen Einzelstücke, sondern gepflegte Bestandteile einer mehr als 1.000jährigen Stadt.
Die Wiedenbrücker Ackerbürgerhäuser so genannt, weil sie die Bürger, das Vieh und die Ernte unter einem Dach bargen. Ackerbürgerhäuser sind von ihrer Funktion her in die Stadt getragene Bauernhäuser. Die Wiedenbrücker Ackerbürgerhäuser sind vollgültige Fachwerkhäuser ohne Massivbauteile. Bei einem solchen Fachwerkhaus besteht das Gerüst aus untereinander verbundenen senkrechten, waagerechten und schrägen Hölzern. Von besonderer Bedeutung sind dabei die verstrebenden schrägen Hölzer, die in Verbindung mit senkrechtem und waagerechtem Holz ein Dreieck bilden. Ein Dreiecksverband dient der Aussteifung des Fachwerks und damit der Standfestigkeit des Hauses. Das errichtete Holzskelett wurde meistens mit einer flexiblen Lehmwand geschlossen. In Wiedenbrück hat man die Gefache gelegentlich auch ornamental mit gebrannten Ziegeln ausgemauert. Bei der Ausfüllung mit einer Lehmwand setzte man zwischen die Gefache zunächst strohumwickelte Stäbe (Wellerlatten) oder ein Geflecht. Der Name Wand erinnert heute noch daran, daß man beim Geflecht weiche Hölzer (Weiden) um andere wand. Die Hölzer verstrich man dann beidseitig mit Lehm, dem zur Festigung Stroh oder Häcksel beigemischt wurde. Auf den Lehm kam zum Schluß eine dünne Kalkmörtelschicht. Die Wiedenbrücker Fachwerk-Ackerbürgerhäuser sind überwiegend dreischiffige Vierständerbauten, so bezeichnet nach den vier tragenden (Eichen-) Ständerreihen (=senkrechte Hölzer), die das Haus dreischiffig gliedern. Daneben begegnet man jedoch auch dem bescheideneren zwei schiffigen Ackerbürgerhaus. In der Tiefe sind die Häuser im allgemeinen zweifachig, weil diese Bauweise es ermöglicht, unter Verzicht auf Seitenfenster ausreichend Licht von vorn und hinten ins Haus zu holen. Doch dort, wo Seitenlicht vorhanden war -etwa beim Eckhaus -, baute man auch dreifachig. Einige Häuser haben einen Vorbau, eine Utlucht. Vorbild der Utlucht waren wohl die Renaissanceerker von Schlössern und anderen Steinbauten. Die Utlucht ist Ausdruck einer Änderung der Lebensgewohnheit, Aufenthaltsraum der Familie wurde neben der bis dahin vorrangigen Deele auch die helle, heizbare Wohnstube. Der Vorbau brachte Raumgewinn und er gewährte den Bewohnern einen weiten Einblick in die Straße. Typisch ist das Vorkragen vieler alter Häuser. Das Vorkragen bringt Konstruktions- und Nutzungsvorteile: Lastabtragung, Raumgewinn, Schutz der unteren Wände bei Regenwetter, vorteilhafter Stand des Erntewagens beim Bergen der Ernte durch die Giebelfenster und schließlich eine Dauerbelüftung des Erntegutes bei all den Häusern, die einen Hohlraum zwischen Überhang und unterer Wand haben. Bei den vorkragenden Hausern sind Ober- und Unterbau vielfach durch Stützbalken (Knaggen, Konsolen) verbunden. Diese stützen die überstehenden Balken ab und verriegeln Balken und Ständer Das Innere des Ackerbürgerhauses wird beherrscht von der großen Deele Genne). Ihre hallenartige Weite gab dem Haustyp den Namen "Niederdeutsches Hallenhaus". Auf der Deele spielte sich einst das Leben und Treiben der Bewohner ab - bis hin zum Dreschen des Korns mit dem Dreschflegel. Auf der Deele war auch das offene Herdfeuer. Der Rauch dieses Feuers hatte viele schätzenswerte Eigenschaften: Er bildete unter der Decke eine wärmehaltende Schicht, er konservierte das Holzwerk, vertrieb das Ungeziefer, dörrte das lagernde Korn und gab schließlich den unter der Decke hängenden Würsten und Schinken Würze und Haltbarkeit. Damit das von den Würsten und Schinken herabtropfende Fett auf dem Fußboden keine dauerhaften Flecken machte, standen dort kleine Näpfchen, unvorsichtige Hausbesucher traten schon mal in das Fettnäpfchen. |
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Wichtiges Merkmal des Ackerbürgerhauses ist das rundbogige Eingangstor, dessen Größe die Durchfahrt des beladenen Erntewagens erlaubt. Auf den Schmuck dieses Tores legte der Bauherr ganz besonderen Wert, und an zahlreichen Häusern ist deshalb das Tor ein prachtvoll gestalteter Blickfang. In seinem Bereich befinden sich außerdem viele wissenswerte Angaben zum Haus. Fast alle Wiedenbrücker Ackerbürgerhäuser geben durch einen Vermerk ihr Baujahr an. Daher ist leicht festzustellen, daß etliche der noch erhaltenen Bauten über 400 Jahre alt sind und damit aus der Renaissancezeit stammen. Das älteste Wohnhaus steht an der Mönchstraße Nr. 10 und ist aus dem Jahre 1549. |
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Neben dem Jahresvermerk, oft von ANNO DOMINI (im Jahre des Herrn) begleitet, findet man hin und wieder auch den Richttag angegeben. Am Haus Mönchstraße 8 wird er als UP JACOBI (25. Juli) angeführt, am Haus Lange Straße 31 bedient man sich eines Kürzels: 20 7bris (20. septembris =20. September). Die Zahl 7 heißt lateinisch septem; der September war im altrömischen Kalender, der mit dem März begann, der siebte Monat. Gern nennt der Bauherr seinen Namen und den seiner Ehefrau. Mal sind beide Namen ausgeschrieben, mal gekürzt, vielfach sind sie als Initialen in die Hausmarken einbezogen. Hausmarken sind besitzanzeigende Kennzeichen der Bauherren. Sie bestehen meistens aus Linien- und Winkelmustern. Man findet sie an den Häusern im allgemeinen zu beiden Seiten des Torbogens, wobei für den Betrachter links der Ehemann und rechts seine Frau ausgewiesen ist. Das bestätigen die Häuser, die neben Hausmarken auch den Namen des Bauherrn und seiner Frau aufführen, etwa Haus Lange Straße 31. Wo man -wie am Haus Mönchstraße 8- nur auf der linken Seite eine Hausmarke erblickt, dürfte der Bauherr zur Zeit des Hausbaues ehelos gelebt haben. Einzelne Hausmarken suchen gleich einem "sprechenden Wappen" den Hausnamen auszudeuten. So hat Rotger Pötter für sein 1559 erbautes Haus als redendes Zeichen seiner Hausmarke einen Pott (Topf) gewählt (Lange Straße 93). Außer den Zeichen, die Baujahr und Namen vermitteln, sind die Ackerbürgerhäuser verziert durch eine Fülle von Schnitzereien und inhaltsreichen Haussprüchen. An Schnitzereien sieht man Ranken, Bänder, Weinlaub, Fächerrosetten, Tiergrotesken und Darstellungen menschlicher Figuren wie biblischen Geschehens. Die Sprüche sind in der niederdeutschen Mundart und sehr häufig auch in lateinischer Sprache geschrieben. Es finden sich Bibelsprüche, Segenswünsche, Mahnworte, Bitten sowie Hinweise auf Hausbau und Bauherren; Schnitzwerk und Sprüche stehen oft ohne erkennbaren Zusammenhang nebeneinander, greifen gelegentlich aber auch ineinander. Sehr häufig wird Gottes Hilfe auf Haus und Bewohner herabgerufen, so am Tiefbalken des Hauses Lange Straße 38 (Marktseite): ACH HER LAS DIR BEVALEN SEIN DIS HAVSZ VNDT ALLES WAS DAREIN ERHALT ES DORCH DINE VEDERLICHE HANDT BEWHARE ES AVCH VOR RAVB VND BRANDT. ANNO DOMINI 1635 (Ach Herr laß Dir befohlen sein, dies Haus und alles, was darin, erhalte es durch Deine väterliche Hand, bewahre es auch vor Raub und Brand) Die Begründung für diesen Spruch gerade zu jener Zeit gibt die Stadtgeschichte. Wiedenbrück hatte wenige Jahre vor dem Hausbau beim Däneneinfall 1626 drei Monate lang schreckliche Tage des Dreißigjährigen Krieges erlebt. Mehrfach begegnen wir einem tiefen Gottesglauben: WAN GODT NICHT BOWET SO IS DE ARBEIT VORLOREN. (Wenn Got nicht baut, dann ist die Arbeit vergeblich (Mönchstraße 8) WOL GOT VORTRVE DER HAT WOL GEBOET. (Wer auf Gott vertraut, der hat wohl gebaut (Lange Straße 27) WAL VP GOT VORTRVVET DE HEFT SIN HVST IN GADTES ERREN GEBVVET. (Wer auf Gott vertraut, der hat sein Haus in Gottes Ehren erbaut (Lange Straße 88) GADES WORT BLIFT IN EVIFHEIT, (Gottes Wort bleibt in Ewigkeit (Halle 2) Diesen Spruch bezeichnen auch lateinische Kürzeln an den Häusern Lange Straße 72 und Lange Straße 93: VDMIE =VERBUM DOMINI MANET IN AETERNUM (Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit) Nicht selten steht hinter dem Hausspruch die Mißbilligung der menschlichen Unart, die Fehler anderer genußvoll aufzudecken, eigene aber gern zu übersehen. Da heißt es am Haus Lange Straße 38: WAN DV WILT RICHTEN MICH VND DIE MEINE SO GEHE VORHIN VND BESIHE DICH VND DIE DEINE FINDSTV DAN KEINEN MANGEL AN DEN DEINEN SO KVI-IM VND STRAFFE MICH VND DIE MEINE (Wenn du willst richten mich und die Meinen, so gehe vorher hin und besiehe dich und die Deinen findet du dann keinen Mangel an den Deinen, so komm und strafe mich und die Meinen) Bei Streit beide Seiten zu hören, mahnt eine Inschrift am alten Rathaus (Kirchseite), das mit seinem Alter und der Aussage seines Spruchwerks Ackerbürgerhäusern gleichzuordnen ist. DEM MENSCHEN GOTT NICHT OHNE RATH ZWEY OHREN ANGESCHAFFEN HAT DAS ER DAMIT HOERE OHNE VERDACHT WAS CLEGER UND BECLAGTER SAGT (Dem Menschen Gott nicht ohne Rat zwei Ohren an geschaffen hat, daß er damit höre ohne Verdacht, was Kläger und Beklagter sagen). |
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Vor falschen Freunden warnt an Häusern am Markt und an der Langen Straße der Spruch: HOIT DICH VOR DE KATZEN DE VOR LICKEN UND ACHTER KRATZEN (Hüte dich vor den Katzen, die vorne lecken und hinten kratzen) Als bildliche Darstellung dieser Warnung dürfte der Doppelkopf am Haus Halle 2 anzusehen sein. Links zeigt das Doppelgesicht lachend seine Zähne, während es rechts die Zunge herausstreckt. Der figürliche Hinweis auf Doppelzüngigkeit am Haus Halle 2 war neben den anderen dort angeführten Menschen- und Tierbildern wohl gedacht als Bildkatechismus für die vor vierhundert Jahren zahlreichen Analphabeten, die im Dargestellten Verwerfliches sehen sollten: im Hahn den Hochmut, im Rundgesicht die Völlerei, im Gesicht mit den Wolfsohren den Geiz, im Doppelgesicht die Doppelzüngigkeit, im Fuchs mit der Gans den Diebstahl. Zu den Bilddarstellungen mit bestimmter Aussageabsicht gehören auch die Fratzen am Haus Mönchstraße 8 und der Neidkopf am Rathaus (Kirchseite). Sie sollten als Abschreckmittel von Haus und Bewohner alles Böse fernhalten, ähnlich wie es durch Lärmen am Polterabend oder durch Schießen in der Silvesternacht beabsichtigt ist. Ein Abwehrzeichen ist auch der fünfeckige Stern am Haus Klingelbrink 27. Dieser in einem Zug gezeichnete Stern ist ein Drudenfuß. Er sollte vor den Druden schützen, jenen nächtlichen Geistern die nach einstigem Volksglauben Mensch und Tier ängstigten und Krankheiten brachten. Eigenartige Schnitzgebilde, Menschen mit schlangenhaften, verschlungenen Körperformen, finden wir an den Häusern Lange Straße 38, Lange Straße 50 (Rückseite) und Lange Straße 88. In den Schlangenmenschen glaubt man mittelalterliche Fruchtbarkeitssymbole sehen zu können, denn die Schlange hat neben anderen auch den Symbolgehalt der Fruchtbarkeit. Reichen Schmuck zeigen an mehreren Häusern dle Füllhölzer, abschließende Hölzer zwischen vorspringenden Balkenenden. Inhaltsreicher ist jedoch teilweise die Ausschmückung der Knaggen. Dem Baumelster genügte oft nicht deren eigentliche Funktion -- Stütze und Verbindung. Am Haus Lange Straße 33 etwa wurde jeder einzelne Stützbalken Träger eines aussagereichen Bildnisses biblischen Inhalts. Die meisten Schnitzereien sind leicht deutbar, so jene, die Adam und Eva, Abraham und Isaak oder -- mit einer Traube-Josua und Kaleb, die Kundschafter des Moses, darstellen. Ebenso schnell wird der Sinn des Schnitzwerkes klar, das die Ankündigung der Geburt Christi zum Inhalt hat. Schwieriger dürfte vielleicht manchem die Deutung jener Knaggenschnitzerei sein, die eine Frau mit Schwert und blutendem Kopf in der Hand zeigt. Die Gestalt ist die Jüdin Judith mit dem Haupt des Assyrers Holofernes. Bei der Judithdarstellung wird weniger an eine patriotische Tat erinnert, wenngleich Judith ihre Heimat rettete, indem sie dem trunkenen assyrischen Heerführer den Kopf abschlug. Im Vordergrund der Sinndeutung steht das jähe Ende des Holofernes. Der Betrachter dieser Knaggenszene soll sich dessen bewußt werden, daß auch er plötzlich sterben kann und daher sein Leben in diesem Bewußtsein gestalten sollte. Sprechen an den meisten Häusern die Schnitzwerke für sich, illustrieren sie am 1560 erbauten Ratskeller auf der Marktseite das Bibelwort am dortigen Tiefbalken. Der Spruch ist entnommen Jesaias Kap. 5. In ihm geißelt der Prophet die lüsterne Sinnlichkeit und weist auf ihre Folgen hin: WE DE GI FRO VPSTAT VND ILNS TOM SECHE GAT SVPT JVV VVL LEVET HVANFROVDN ALS WEK GI DVL VORSVMET JVER SALICHEIT UN VORGETTET DER BARMHERTICEIT DARVM WIL IC JVV MIT ANGST BEFANGN DE HELLE HEPT NA JVV VORLANGN (Wehe die ihr früh aufsteht und eiligst zum Zechen geht, sauft euch voll, liebet Hurenfreuden, als wäret ihr toll, versäumet eure Seligkeit und vergesst der Barmherzigkeit, darum will ich euch mit Angst umfangen, die Hölle hat nach euch Verlangen) Dieses Prophetenwort wird in drei Geschossen auf Balken und Viertelkreisflächen durch groteske Tiergestalten und spruchbezogene Dastellungen illustriert. Auf der linken Seite des Spruchbandes zeigt sich unmißverständlich das Ende des lasterhaften Menschen: Ein Höllentier verschlingt den Sünder mit weit aufgerissenem Rachen. Auch die Hurenfreuden werden drastisch dargestellt, ein Mann greift einer Frau unter den Rock. Zu den Ackerbürgerhäusern, die eine besondere Beachtung verdienen, zählt auch die "Fuchshöhle" an der Kirchsraße 10. Dieses Gebäude mit dem schönen Rokokotor entstand ein Jahr nach dem großen Brand von Wiedenbrück, dem im Okober 1585 etwa dreißig Häuser zum Opfer fielen. Die meisten betroffenen Bürger konnten, wenn überhaupt, erst Jahre später ein neues Wohnhaus errichten. Besser erging es Johannes Hesing und seiner Ehefrau Magdalena (Ostberg); schon ein Jahr nach dem Brand verkünden sie am neuerbauten Haus: WAS GENOMMEN HATT DER BRANDT A(NN)0 85 ERSTATTET GOTT UND FREUNDE HANDT ANNO 1686. Die Freude über den schnellen Neubau bekundet auch die lateinische Inschrift oberhalb des Torbogens. Über diese Aussage hinaus verdient die Schrift durch ihr Schriftbild Aufmerksamkeit. Einzelne Buchstaben überragen die übrigen, und zwar sind alle die Buchstaben hervorgehoben, die zugleich römische Zahlzeichen sind: 1 =1, V =5, X =10, L =50, C =100, D =500, M =1000 Die herausragenden Buchstaben ergeben -als Zahlen addiert- das Erbauungsjahr des Hauses (1686). AB IGNE ANNO SVPERIORE VASTATA RESVRREXI CVRA IOANNIS HESING ET MAGDALENAE OSTBERG (Vom Feuer im vergangenen Jahr verwüstet, bin ich wieder erstanden durch die Bemühung des Johannes Hesing und der Magdalena Ostberg) Eine solche Zeitangabe durch die Schrift wird Chronograrnm genannt. An der Fuchshöhle ist das Chronogramm durch gleichfalls angeführte arabische Ziffern bestätigt. An anderen Häusern, so am schräg gegenüberliegenden Eckhaus Kirchstraße 9, ist das Baujahr nur durch ein eingefügtes Chronogramm angegeben. Am nachbarlichen Eckhaus befindet sich noch eine beachtenswerte Inschrift. Sie nennt in lateinischer Sprache ein geflügeltes Wort, das von Marc Aurel (römischer Kaiser im 2. Jahrhundert) durch Christian F. Gellert (deutscher Schriftsteller des 18. Jahrhunderts) überliefert ist: FAC EA QUAE MORIENS FACTA FVISSE VELIS (Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben) Diesem Ausspruch mag zur Seite stehen die Friedensmahnung des Hauses Halle 2: HALTET FREDE VPPE DÖSER STEDE (Haltet Friede auf dieser Stätte) |
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